SVEN AMTSBERG

BRIGITTE UND DIE EINSAMEN MÄNNER 





Auch deshalb hatte sie sich für diesen VHS Kurs angemeldet – »Töpfern mit einsamen Männern.«


Sie war aufgeregt an diesem Abend. Männer, dachte sie. Der ganze Raum roch nach ihnen. Nach Mann und Ton und Damm, und Brigitte musste sich kurz an einen der Tische klammern, um nicht den Halt zu verlieren. Ihr war schwindelig von dem Geruch der einsamen Männer.

Sie machte Fotos von diesen Männern, heimlich. Sagte, dass sie Brigitte sei. Sie wollte Hände schütteln, berühren, aber niemand sagte etwas, und so setzte sie sich einfach hin. Schwummerig war ihr da von diesen Männern.

Die Kursleiterin war enttäuscht, dass Brigitte da war. Das sah sie gleich. Sie waren die einzigen Frauen, und auch die Kursleiterin schien nicht viel mehr als Keramik in ihrem Leben zu haben. Ihr ganzes Gesicht hatte etwas Tönernes, Erdiges, fand Brigitte. Sie sah aus, als wäre sie von Naturvölkern aus Speichel und Tierexkrementen getöpfert worden. Und Brigitte wusste, dass sie hier, hier in diesem Raum die schönste Frau der Welt war – und sie lachte. Lachte gehässig. 

Atmete dann wieder tief den Geruch der ganzen Männer ein, den diese aus ihren kurzärmeligen karierten Hemden verströmten. Dann begannen sie zu töpfern.


Sie sollten frei töpfern, was ihnen in den Sinn kam. »Machen sich frei«, schrie die Kursleiterin und hob die Arme eines traurig guckenden Mannes in die Luft. »Hier muss es weit werden«, rief sie, »weit, ganz weit«, und rieb dabei über die trichterförmige Brust des Mannes, der lächelte und etwas rot wurde. 

Aber Brigitte sah genau, dass die Kursleiterin nur ihre braunen Keramikbrüste an der Halbglatze des Mannes reiben wollte, und sie sagte laut: