23. Juli 2026, 20 Uhr

DIE WAHRHEIT ÜBER LÜBECK #14

Stadtführungs-Entertainment mit Katrin Seddig und Sven Amtsberg

Stadtgrabenbrücke

Als Venedig noch nicht erfunden worden war, da kamen die Leute aus der ganzen Welt nach Lübeck, dieser Stadt mit den vielen Kanälen, auf denen dann sogenannte Tretbootieri, die Leute oft singend durch die Stadt fuhren. Straßen gab es keine, stattdessen gab es nur solche Kanäle und unzählige Brücken darüber, die das Stadtbild prägten und viele Touristen aus der ganzen Welt anlockten. Filme wurden hier gedreht, Flitterwochen verbracht. 


Das Tretboot war das einzige Fortbewegungsmittel, das es in ganz unterschiedlichen Größen gab. Das größte war so groß wie ein Omnibus, und der Tretbootiere war einer der stärksten – mit Waden so groß wie Seekühe. Bis zu fünfzig Passagiere fanden dort Platz, und der Gesang der Tretbootieri war erfunden worden, um das Keuchen und Stöhnen zu übertönen, dass das anstrengende Treten begleitete. Oft waren so genannte Keuchgesänge, die dort zum Besten gegeben wurden – etwa von Serge Gainsbourg »Je t'aime moi non plus«.


Früher war in Lübeck auch dort Wasser, wo heute Asphalt herrscht. Oder Wiese. Wasser floss durch das Holstentor und eigentlich war es überall. Dazu gab es unzählige Brücken, fast sechshundert waren es, von denen heute kaum noch welche stehen. Denn Anfang der Siebziger kam einem das alles unmodern vor. Wasser. Man baute Straßen stattdessen, riss viele der Brücken ab, ließ das Wasser über die Trave ins Meer fließen. Experimentierte mit Beton und Asphalt. Das Konzept Wasserstraße und Lagune verkaufte man an Italien, das mit Venedig das Erfolgskonzept aus Lübeck perfektionierte und es so zu großem Reichtum brachte. Dafür haben wir immer Marzipan.

Eintritt: 10 EUR. Kein Vorverkauf. Tickets am Abend der Veranstaltung direkt vor Ort.